Wird die 3. Start- und Landebahn das „Stuttgart 21“ Bayerns?

Bündnis Nachhaltigkeit Bayern sieht Planfeststellungsbeschluss zur 3. Start- und Landebahn des Münchner Flughafens kritisch

Das Bündnis Nachhaltigkeit Bayern weist darauf hin, dass der positive Planfest-stellungsbeschluss zum Bau einer 3. Start- und Landebahn am Flughafen München vom 26. Juli 2011 den Zielen einer nachhaltigen Gesellschaft klar widerspricht. Die positiven Reaktionen durch Ministerpräsident Seehofer auf das Ergebnis des Feststellungsverfahrens sind mit Aussagen der Staatsregierung zur Energiewende oder die für Herbst geplante Veröffentlichung einer Bayerischen Nachhaltigkeitsstrategie unvereinbar. Das Bündnis Nachhaltigkeit Bayern fordert die Staatsregierung deshalb dazu auf, klare Signale zu Gunsten einer nachhaltigen Politik zu senden. Entscheidungen, welche die  Meinungen und Ängste der betroffenen Bevölkerung missachten,  können dazu führen, dass die 3. Start- und Landebahn zum „Stuttgart 21“ Bayerns wird.

Das Bündnis Nachhaltigkeit Bayern tritt für eine nachhaltige zukunftsorientierte Politik ein, die sozial und ökologisch ausgewogene Lebensstile fördert. Nachhaltigkeit beinhaltet den achtsamen und verantwortungsvollen Umgang mit der Gesellschaft, Natur und Umwelt sowie den verfügbaren Ressourcen. „Im Gegensatz dazu ist die Entscheidung der Regierung von Oberbayern eine Einladung zum exzessiven Konsum von Energie und Mobilität, der voll zu Lasten kommender Generationen geht“ so Joachim Hamberger, Sprecher des Bündnis Nachhaltigkeit Bayern.

Der Versuch, ein grenzenloses Wirtschaftswachstum herbeizuführen, verzehrt neben dem gigantischen Flächenbedarf von 11 Millionen Quadratmetern fruchtbarsten Ackerlands und Lebensraumes auch Heimat und Sicherheitsempfinden zahlreicher Bürger. Die Anwohner in mehr als drei Landkreisen befürchten einen deutlichen Verlust an Lebensqualität durch steigende Lärm- und Schadstoffbelastung. Das prognostizierte Wachstum des vielfach beschworenen Wirtschaftsstandortes Flughafen wird dabei von verschiedenen Fachleuten als unrealistisch beurteilt, zumal der Flughafen mit seinen aktuell zwei Start- und Landebahnen nicht ausgelastet ist.

Auch aus Sicht des Natur- sowie des Umweltschutzes ist der Ausbau des Flughafens nicht akzeptabel. Die Einflüsse der Abgase des weltweiten Flugverkehrs auf das Weltklima sind erheblich. Je nach Untersuchung wird hier der Anteil am Klimawandel auf bis zu neun Prozent geschätzt. Die Auswirkungen des nicht bestreitbaren Klimawandels auf Mensch und Natur werden aktuell in der Dürrekatastrophe in Somalia in dramatischen Bildern sichtbar.

Um den Bau der dritten Start- und Landebahn zu ermöglichen, werden im Planfeststellungsbeschluss die schützenden Regelungen des § 44 Bundesnatur-schutzgesetzes für mehr als 30 geschützte Tierarten aufgehoben. Darunter bayernweit seltene Fledermaus-, Eidechsen und Vogelarten.  Die beim Bau notwendigen Grundwasserabsenkungen führen auch über die Flughafenflächen hinaus zu einem Verlust an Lebensraum für seltene Wildtiere und Pflanzen, Teil unseres ökologischen Erbes.

Nachhaltige Politik nimmt die Anliegen der Bevölkerung ernst und schafft ein ausgeglichenes Miteinander von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Das Bündnis Nachhaltigkeit Bayern ist besorgt über die einseitige Entscheidung zu Gunsten rein wirtschaftlicher Belange, welche zusätzlich unter zweifelhaften und unvollständig durchdachten Annahmen getroffen wurde. Stuttgart 21 hat in den vergangen Wochen und Monaten klar gezeigt, dass sich die Bevölkerung mit solchen Entscheidungen künftig nicht mehr zufrieden gibt.

 

Stellungnahme als *pdf

BNB.Pressemitteilung_3.StartLandebahn_03.08.11