Stadt sucht Zukunft!

Bürgerschaft will Zukunft Münchens gestalten

Unter dem Titel „Stadt sucht Zukunft“ luden die Ökologische Akademie e.V. und das Bündnis Nachhaltigkeit Bayern in Kooperation mit acht anderen Organisationen im Rahmen des Münchner Klimaherbstes 2016 am Donnerstag, den 20. Oktober, in die orange bar zum Gespräch über die Nachhaltige Entwicklung in München. Gut einhundert Akteure aus unterschiedlichsten Organisationen beteiligten sich an der Suche nach Strategien des Wandels.

In Vertretung von Münchens OB Dieter Reiter stellte Stadtbaurätin Prof. Dr. Elisabeth Merk die „Perspektive München“ vor. Ihr Credo: es braucht keine (neue) lokale Nachhaltigkeitsstrategie, denn in der „Perspektive München“, die das Planungsreferat in einem Beteiligungsprozess erarbeitete und die vom Stadtrat verabschiedet wurde, läge eine Nachhaltigkeitsstrategie für die Landeshauptstadt vor.

Machen die Münchner Akteure für eine lokale Nachhaltigkeitsstrategie also nur viel Wirbel um Nichts, oder greifen sie mit der Transformation eine gesellschaftliche Herausforderung auf? Einen Anfang machte Bundeskanzelerin Angela Merkel, die mit dem Entwurf der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie 2016 auf die in Paris vereinbarten Klimaziele und die in New York von den Vereinten Nationen verabschiedeten verbindlichen Sustainable Development Goals (SDGs) reagierte und Kommunen zur Mitwirkung aufrief. Mit der Resolution „2030 – Agenda für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ griff der Deutsche Städtetag die Aufforderung der Bundeskanzelerin auf. Eine Diskussion über die Position der Stadtbaurätin steht noch aus.

Veranstalter, KooperationspartnerInnen, Referenten und Stadtbaurätin Prof. Dr. Elisabeth Merk (Bildmitte) stehen vor der von den TeilnehmerInnen der Veranstaltung unterzeichneten Resolution zur „Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ (Foto: Fabian Norden)

Veranstalter, KooperationspartnerInnen, Referenten und Stadtbaurätin Prof. Dr. Elisabeth Merk (Bildmitte) stehen vor der von den TeilnehmerInnen der Veranstaltung unterzeichneten Resolution zur „Agenda 2030 für Nachhaltige Entwicklung: Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene gestalten“ (Foto: Fabian Norden)

Von anderen erfahren, wie Strategien nachhaltiger Entwicklung erarbeitet werden

Nachbarstäte wie Augsburg und 15 Kommunen und Landkreise in NRW, darunter Großstädte wie Köln, Dortmund und Bonn stellen sich der Herausforderung und haben oder entwickeln aktuell lokale Nachhaltigkeitsstrategien. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung berät Dr. Klaus Reuter von der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 (LAG 21) Städte, wie sie die 2030-Agenda auf die kommunale Ebene beziehen und eine integrierte Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten Zielsetzungen erarbeiten können. Das Beratungskonzept kommt an. Mittlerweile wollen Thüringen, Schleswig-Holstein und Niedersachen das Konzept übernehmen.

Augsburgs Stadtrat verabschiedet „Zukunftsleitlinien“

Unter den deutschen Städten, die für ihre Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung ausgezeichnet wurden, ist Augsburg absolute Spitze. Dr. Norbert Stamm vom Büro für Nachhaltigkeit der Stadt erläuterte, wie die „Zukunftsleitlinien“ zu einer von Wirtschaft, Stadtgesellschaft, Verwaltung und Politik akzeptierten Grundlage kommunalen Handelns wurden In den Dimensionen der ökologischen, sozialen, ökonomischen und kulturellen Zukunftsfähigkeit benannten die Augsburger jeweils fünf Handlungsfelder und konkretisierten diese mit Zielen. Im Moment testet Augsburg mit einer Nachhaltigkeitseinschätzung, inwieweit Stadtratsbeschlüsse zur nachhaltigen Entwicklung beitragen.

World Café zu Handlungsfeldern und Zusammenarbeit

Im zweiten Teil des Abends ging es in einem World Café an 12 Tischen um Antworten auf die Frage, wie wir in München eine Beteiligung der Stadtgesellschaft an der nachhaltigen Entwicklung auf den Weg bringen können. Das von Maren Schüpphaus (Netzwerk Gemeinsinn e.V.) mit Schwung moderierte World Café widmete sich in der ersten Runde der Frage, in welchen Handlungsfeldern und Themen für eine nachhaltige Entwicklung Münchens die Beteiligung der Stadtgesellschaft besonders wichtig ist. Bedeutsame Handlungsfelder waren: Bildung, Wohnen, Mobilität/Verkehr, Energieversorgung, Gesundheit/Wohlbefinden/nachhaltige, regionale, gesunde Lebensmittel, Soziales, frühzeitige und umfassende Bürgerbeteiligung und nachhaltige Stadtentwicklung. In der zweiten Runde ging es darum, wie wir eine gelingende Zusammenarbeit in München auf den Weg bringen können. Von den Tischrunden kamen vielfältige Rückmeldungen. Umfassende Ideen wie: München – eine „Mitmach Stadt“ und konkrete Anregungen wie: Bürgerbeteiligung in München ausbuchstabieren; Themen gemeinsam finden; Bündnisse schaffen; vom Team zum Netzwerk zur Gemeinschaft und neue Werte für eine kooperative Gesellschaft. In der abschließenden Diskussion fand eine Anregung von Dr. Stamm, in München eine im Direktorium der Landeshauptstadt angesiedelte Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft für Nachhaltige Entwicklung und Bürgerbeteiligung zu schaffen, große Zustimmung.

 

Autor
Thomas Ködelpeter
Bündnis Nachhaltigkeit Bayern (BNB), 1. Sprecher
Mail: oekologische-akademie@gmx.de

 

Dokumente

Präsentation Nachhaltige Entwicklung in München gestalten von Stadtbaurätin Professor Dr. (I) Elisabeth Merk

Präsentation Global Nachhaltige Kommune NRW von Dr. Klaus Reuter

Präsentation Augsburgs Nachhaltigkeitsprozess von Dr. Norbert Stamm

Synopse von SDGs, Perspektive München und Nachhaltigkeitsbericht der Landeshauptstadt München

Musterresolution des Deutschen Städtetages zur Agenda 2030